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"Gesellschaft für geistige Gesundheit" feiert Jubiläum und schließt nach 50 Jahren

Die Gesellschaft ist der älteste Psychiatrie-Verein im Kreis Gütersloh und einer der ältesten bürgerschaftlich organisierten Hilfsvereine Deutschlands.

Gegründet wurde sie im April 1967 von psychisch erkrankten Menschen, ihren Angehörigen aber auch fortschrittlich denkenden Ärzten und Pflegern des Westfälischen Landeskrankenhauses (heute LWL-Klinikum Gütersloh). In einer Zeit, in der Menschen mit psychischen Erkrankungen und seelischen Behinderungen extremer Diskriminierung und oft lebenslanger Ausgrenzung in den damaligen „Heil- und Pflegeanstalten“ ausgesetzt waren, war es das Ziel, Betroffenen Unterstützung nach der Entlassung aus dem Landesklinikum zu bieten, ihre Teilhabe an der Gesellschaft zu fördern und Vorurteile abzubauen. Fast ein Jahrzehnt vor der Psychiatrie-Enquete war der erste gemeindepsychiatrische Verein im Kreis Gütersloh seiner Zeit damit weit voraus und hat seitdem viel bewegt.

Daher gibt es zum 50-jährigen Jubiläum des Vereins viel Grund zum Feiern. Leider war das Fest der Gesellschaft für geistige Gesundheit mit Weggefährten und Unterstützern im September 2017 gleichzeitig auch ein Abschied – Ende des Monats löste sich der Verein auf. Grund dafür ist, dass der Vorsitzende Herbert Voßhenrich trotz intensiven Bemühungen keinen Nachfolger für sein Amt gefunden hatte. Voßhenrich war langjähriger Verwaltungschef der Klinik in Gütersloh und seit 1977 im Vorstand des Vereins aktiv. Von 1992 an bekleidete der heute 73-Jährige den ersten Vorsitz.

Voßhenrich und seine Kolleginnen und Kollegen können auf eine bewegte Vereinsgeschichte zurückblicken. In den Anfangsjahren gründeten sich Laienhelferkreise, die im Landeskrankenhaus sozialtherapeutisch arbeiteten. Von da an wurde das Angebot stetig ausgebaut: Ab 1971 nahm der „Bürgerkreis“ Gestalt an, in dem 40 Frauen und Männer Patienten ehrenamtlich Hilfestellungen innerhalb und außerhalb der Klinik boten. 1974 öffnete die beliebte Kontakt- und Beratungsstelle „Club 5“ in einem Fachwerkhaus in Gütersloh ihre Türen, in der vor allem ehemalige Langzeitpatienten nach Ihrer Zeit in der Klinik betreut wurden. Bis in die Gegenwart hatte die Einrichtung eine wichtige Funktion für Betroffene, wie Herbert Voßhenrich erklärte: „Menschen mit psychischen Erkrankungen haben bei uns nicht nur nach Klinikaufenthalten und zur Krisenintervention Hilfe bekommen, für viele war der Besuch bei uns fester Bestandteil der Tagesstruktur.“ Hier Ersatz zu finden, dürfte für viele Betroffene nicht einfach werden. Umso positiver sei es, dass der Förderkreis Wohnen-Arbeit-Freizeit e.V. die Arbeit des Club 5 fortsetzen will – wenn auch unter anderem Namen.

Prominenten Besuch erhielt der Verein am 21. Juli 1986, als Bundespräsident Richard von Weizsäcker sich vor Ort aus erster Hand über die von gemeindepsychiatrischen Organisationen und Kliniken vorangetriebene Enthospitalisierung psychisch erkrankter Lanzeitpatienten informierte.

Der Dachverband Gemeindepsychiatrie e.V. dankt Herbert Voßhenrich und allen engagierten Menschen der Gesellschaft für geistige Gesundheit für die Pionierarbeit, die sie bei der sozialraumorientierten Unterstützung psychisch erkrankter Menschen geleistet haben.